Seit Juli 2025 sind wir unterwegs und schreiben mit Menschen mit einer demenziellen Erkrankung. Bei manchen der Teilnehmer*innen ist die Diagnose relativ frisch, bei anderen ist die Erkrankung bereits fortgeschritten.
Hier eine kleine Auswahl aus den bislang im Rahmen des Projekts "Von wegen sprachlos!" entstandenen Texte.
Schlechte Tage
Ich bin ja schon alt.
Ich will nicht mehr.
Ich habe keine Lust.
Ich würde wünschen, ich würde wieder gesund werden.
Aber kann man nicht.
Das Alter ist meine Krankheit.
Das Alter, das steigt bei mir alles in den Kopf.
Das Alter nimmt einen den Raum weg für alles, was man sonst hatte.
Alles, was man gemacht hat.
Man ist einfach alt.
Altsein ist schlapp.
Man ist zu nichts mehr fähig.
Der Körper wird einfach schlapper.
Alles lässt nach.
Altern fühlt sich schwerfällig an.
Alles ist zu schwer.
Ich möchte nicht mehr jung sein.
Aber dass das Alter etwas glatter weg geht.
Dass das Leben leichter wird, anstatt so Schwierigkeiten.
Das möchte ich schon.
Aber es geht anderen auch so.
Anonym (84 Jahre)
Laune
Ich hab im Moment keine gute Laune.
Die gute Laune ist weg.
Ich weiß nicht, wo die hingegangen ist.
Ich hab heute keine Lust.
Ich weiß nicht, was mit der Lust passiert ist.
Ich hab auch schlechte Bettlaune.
Dann bin ich im Kopf total durcheinander.
Das ist ein Gefühl, dass ich nicht klar dabei sein kann.
Ich möchte wieder klar sein im Kopf.
Das möchte ich.
Klar sein.
Anonym (83 Jahre)
Vergessen
Vergessen fällt mir schon wieder ein.
Aber es ist blöd, wenn man vergessen hat, was man mitbringen sollte.
Das ärgert mich am meisten.
Nie vergessen möchte ich, wo die Toiletten sind.
Nasse Hosen sind unangenehm.
Nie vergessen möchte ich den Eisladen.
An die Verkäuferin im Eisladen möchte ich mich erinnern.
Da gab es dieses Stiel-Eis.
Da floss die Schokolade.
Ich sah aus wie ein Schokoladenbär.
Meistens hatte man was Weißes an.
Jeden Morgen auf dem Weg zur Hellingskampschule,
der Laden war da an der Ecke.
Die Frau winkte schon.
Der Teddy kostete 5 Pfennig.
Die Stenografie geht aus.
Punkt.
Anonym (78 Jahre)
Lebensweisheit
Wichtig ist, unter Leuten sein.
Einfach dabei sein.
Und vor allem tanzen auch.
Das Allerwichtigste im Leben ist,
dass man so ein bisschen akzeptiert wird.
Gerhard Ormeloh (85 Jahre)
Darf ich Sie was fragen?
Wenn Sie so alt sind, wie ich jetzt bin.
Haben Sie dann dieselben Probleme wie ich?
Erinnern Sie mich daran, dass ich Sie dann frage,
wenn Sie so alt sind wie ich?
Welche Probleme ich habe?
Welche hab ich nicht!
Anonym (96 Jahre)