Arthur Widitz

 

DER STILLE TOD

(Kernenergie)

 

Wenn der Tag beginnt

Seht ihr das Morgenrot

Doch was ihr nicht seht

Bin ich, der stille Tod                                    

 

Ich bringe euch die Not

Ihr merkt es nur noch nicht

Ich lache, lache, lache

Euch strahlend ins Gesicht

 

Die Todes-Energie

Die schlimmste aller Zeit

Wird immer mehr vernichten

So oft ihr sie oft befreit

 

Den Abfall den ich mache    

Den müsst ihr nur verwahren

Was kümmert euch die Menschheit

In hunderten von Jahren?                                                    

 

So lebt den Irrsinn weiter

Ganz in meinem Sinn

Das stimmt mich wirklich heiter

Wer stirbt ist mein Gewinn

 

 

 

ALLEINE ZU SCHWACH

 

 

Gelassen liegen sie am Schiff

Ich schwimme nur mit Muskelkraft

Sie blicken lachend über Bord

Denn ihr Tempo raubt mir Kraft

 

Ich kann nicht mehr

Doch seh´ ich noch

Ihr Schiff ist leck

Im Bug ein Loch

 

Ich schrei´ laut

Will Warnung winken

Sie lachen nur

Obwohl sie sinken

 

Vom Bordcomputer kein Signal

Der Käpt´n schlief an Deck

Schiff und Menschen in dem Sog

Wie sollt´ ich helfen so weit weg

 

Leis´ klingt mir noch ihr Lachen nach

Während die See sich glättet

Alleine war ich viel zu schwach

So hab´ ich nichts gerettet

 

 

ZUR LAGE

 

Der „alte Duft“ liegt in der Luft

Die Herde nach dem „Hirten“ ruft

Vergangenes will aufersteh´n

Von so vielen ungeseh´n

Jubeln laut mit vollem Klang

Ahnen nicht den Untergang

Die Geschichte ist vergessen

Von Blendung, Hass und Angst zerfressen

Sind die Augen schon fast blind

Es naht der Sturm, nicht bloß ein Wind

 

 

 

Grobfried Bropst

 

 

Brief an Bekannte

 

ich teile mein Brot ein

denn der Staat ist

mehrheitlich gewollt

an meinem Überleben nicht interessiert

nur ein Formular brauchte ich von ihnen

damit ich in der Stadt nicht so friere

und mir der Speichel nicht läuft

vor den Bäckereien

 

die mir schreiben wollten

haben mich nicht vergessen

wenn ich sie besuche

 

auf den Straßen liegen noch

genug frisch angerauchte Kippen

und mein neues Zimmer hat sogar eine Heizung

da darf ich bleiben

zwecks Miete

meine verschleppte Grippe ist besser geworden

meint der Arzt

nur Draußen schmerzt es mich noch manchmal

wenn ich die Ereignisse dort erlebe

aber es scheint besser geworden

seit ich ohne Geld

fast immer nur dasselbe erlebe

ich fühle mich sehr einsam und habe Ängste

gerade Nachts

mich auf all dies einzustellen

lerne ich hier

 

ich hoffe Dir geht es gut

sonst geht es mir gut, danke

 

 

 

Danksagung

 

denen,die mich ertragen haben

so gut sie es vermochten

die mir viel Gutes gaben

im Stillen mit mir hofften

 

die Knappes mit mir teilten

ohne Verdienst zu heischen

im Gespräch bei mir weilten -

kein Ego und kein Kreischen

 

die trotz Leid vorangingen

über Gegenwart sinnend

in Worten uns zu bringen

ein Raunen vom Sinn

 

 

echowurzeln

 

sage mir wann

und kein vielleicht

 

ist es einerlei

ob morgen eine birke gebiert

einen apfel im mai

 

wenn der fluss des schalls

wieder zerhackt wird

in kleine punkte auf papier

 

eine ameise

die ausversehen spazieren geht

ist subkultur

 

und wenn wir einen klang finden

der die summe ihrer töne ins unendliche streift

werden sie diesem ein neues zeichen setzen

 

 

 

Gedanken im Abendland

 

Kopf

auch meine Kopfgedanken

Ich-Gedanken-Kopf

Wie köpf ` ich meine Gedanken im Kopf ?

 

Ich als Gedankenkopf

 

fragt der Magen

und wird flau

- mein Magen kennt die Dinge

 

das Herz pumpt

wie dem Magen zur Bestätigung

 

Ich-Magen-Wahrheit

Haar-Gefühl

bin mit Fuß und Hand

nicht kopflos

- vielen Dank, trotz Abendland

 

 

 

vorgeeintes

 

in worten das nichtwort

schlaflos im traum

in regeln erbauende

gefangenheit nicht als auffassendes

sucht auchich einfassenden schutzkasten

vor erweichendem ichauch

 

bezugswolken in wortesenge tanken

ein spielleiden nur

bis schutzengehaft verfliegt im winkelzerfall

im sinnesbad nichtzwang

da stillt einzelruhemedizin sehnsucht tödlich

(von hier gesehen)

 

liebliches spielende sein

wenn dürrezeitgrenzen verenden

ungetankte haftwolken warten

(so träumt es in mir)

mein auchich hofft vorgeeint

der zerfalleinigung zum normweltende

 

 

 

Maik Seiler

 

Am Türsteher vorbei?!?

 

Das laute Tock-Tock ihrer Tippelschritte,

als ob einen zweibeinigen Gaul sie ritte,

hört man von fern und noch lauter von nah.

Und man weiß, die Königin der Nacht ist da.

 

Fast jedes männliche Auge verweilt,

auf einen Körper, von Kopf bis Fuß durchgestylt.

Nichts dem Zufall überlassen.

Und für die meisten: Bloß nicht anfassen.

 

Kein Häarchen gegen diese Frisur rebelliert.

Es würde auch gnadenlos massakriert.

Das Make-Up bedeckt so Schicht für Schicht

etwas, das aussah wie ein menschliches Gesicht.

 

Und wenn die Wimperntusche perfekt zum Lippenstift passt,

und das Outfit den Körper grandios umfasst,

dann braucht sie kein Spiegelein mehr an der Wand.

Alle Zweifel werden die Universium verbannt.

 

Keinen Kerl, den sie nicht mit ihrer Hüfte,

zu Phantasien anregte und verblüffte.

Mit einem Lächeln, strahlend und dennoch scheu,

kommt sie problemlos an Türsteher vorbei.

 

Sein After-Shave kündigt von Weitem schon an,

hier kommt ein Kunstwerk von einem Mann.

Ein wilder Blick und ein starker Wille,

lauern hinter der pechschwarzen Sonnenbrille.

 

Kein Lifting, aber knackiges Sonnenbank-Braun,

magnetisiert die Blicke fast aller Fraun.

Mit Schwung in den Schritten und Siegergrinsen,

geht die Moral der Rivalen glatt in die Binsen.

 

Auf der glattrasierten Brust sieht man im Nu,

ein Meisterwerk von Tattoo.

Mit Totenschädel und Vogelspinnen,

tut's einem das Blut in den Adern gerinnen.

 

Und beim Türsteher, den er mit Vornamen kennt,

hat er ein Eintritts-Abonement.

Nach Begrüßung und Smalltalk geht eins, zwei, drei

Mr. Exclusiv am Türsteher vorbei.

 

Dann komme ich und alle werden blaß.

Na, der Typ da, der traut sich was.

Der ist ja alles andere als perfectus.

Sieht aus wie ein Homo Sapiens Erectus.

 

Mit einer Haut, die blassrosa den Körper umfließt.

Und auf der hie und da mal ein Pickel grüßt.

Ein Gürtel, der ein Klagelied tut singen,

beim Versuch die Taille zu umringen.

 

Auch die Schuhe tun beide lautlos fluchen.

Deren Profil man mit der Lupe muss suchen.

Ungestylt und ungeliftet,

wie aus grauer Vorzeit angedriftet.

 

Ich gehöre nicht dazu aber ich gönn' mit den Spaß.

Entfache den Sturm im Wasserglas.

An keinem Türsteher der Welt komm' ich so vorbei.

Drum blieb ich draußen, bleib wie ich bin, fühlt mich frei.

 

 

 

Anecken

 

Du und ich, wir sind ein Menschenschlag auf Erden,

die mal bewundert, mal verachtet werden.

Zwar wurden wir als echte Menschen geformt.

Doch irgendwie sind wir nicht DIN-geformt.

 

Der gerade Weg war uns einfach nicht angedacht.

Das ist, was uns für viele gar so rätselhaft macht.

Und wir springen nun aus allen Ecken.

Nicht verstecken, anecken.

 

Vielfalt ist doch Reichtum, lass dir nichts erzählen.

Stromlinienförmig immer nur die gleiche Richtung wählen?

Was andre können fällt dir oft genug so schwer,

Doch in andren Disziplinen kannst du umso mehr.

 

Und heute startet auf der entschlossenen Spur,

unser Angriff auf die Mainstream-Monokultur.

Und wir werden nie mehr Speichel lecken.

Nicht verstecken, anecken.

 

Und mit unseren Dickschädeln, da knallen wir

Mit Karacho gegen jede verschlossene Tür.

Und auf der nach oben offenen Richterskala

Pendeln immer weiter aus die Tintenstrahler.

 

Ja, wir bringen die Normalos ziemlich oft zum Lachen

Wenn wir unfreiwillig wieder mal den Pausenclown machen.

Doch oft ist es nur öde hinter deren Schleier

Jenseits vom Tellerrand leben wir doch ungemein viel freier.

 

Und wieder blickt ein wachsames Gesicht hinterm Fenster.

Als wären wir entlaufende Schlossgespenster.

Bei uns gibt's viel mehr zu entdecken.

Nicht verstecken, anecken.

 

Sie sagen unsere Hirnkästchen wär'n butterweich.

Das ist uns gleich, wir wissen, hier sind wir doppelt reich.

Wir sind vielleicht nicht immer so rationell,

doch den menschlichen Charakter checken wir recht schnell.

 

Drum Kopf hoch, Kumpel, streck die Nase in den Wind.

Schau, wie weit wir schon gekommen sind.

Und wir lassen uns nie mehr verdrecken.

Nicht verstecken, anecken.

 

Und mit unseren Dickschädeln ...

 

Mit Zweifeln nicht mehr zuzudecken,

in großen und in kleinen Ecken,

hinter Büschen, hinter Hecken,

nicht verstecken

ANECKEN!!!

 

Kreatives Schreiben & Literatur

von besonderen Menschen

und Menschen in besonderen Lebenslagen